Sonderberichte

Technik Zwischenbericht nach 6000 Kilometern im Dezember 2013

6 Monate und über 6000 Kilometer sind wir nun mit den B.O.C Rädern durch Südamerika unterwegs. Wie steht es eigentlich um die Räder wird sich mancher fragen. Hält das Material? Wie sieht es aus mit Speichenbrüchen, Kettenrissen, Platten und Pannen? 
Sehr gut sieht es aus. Wir haben heute das erste Mal die Magura HS 33 Bremsen nachgestellt. Die Bremsbeläge sollen noch bis Bogotá halten. Dann hätten sie 7000 km runter. Von solchen Laufleistungen träumen andere Reiseradler, die zumeist mit Bremsen eines japanischen Herstellers unterwegs sind und schon zig Mal die Bremsgummis in den Anden wechseln mussten. 
Zwei Getränkeflaschenhalter sind uns gebrochen. Das lag aber daran, dass wir in die 1,5 Liter Flaschenhalter auch öfter 2,5 Liter Flaschen gepresst hatten.
Der Rohloff Ölwechsel war letzte Woche dran. Das war ganz einfach und schnell gemacht. Dabei wechselten wir auch gleich die Ketten. Jetzt fahren wir vorerst No-Name Ketten. Mal sehen, ob wir in Bogotá etwas bessere Ketten bekommen. Die Kettenschlößer sind auf jeden Fall Gold wert und bringen die einheimischen Fahrradmechaniker zum Staunen. 
Ab und zu müssen wir die Speichen nachziehen wenn die Straße mal wieder zur Piste wird und wir ordentlich durchgeschüttelt werden. Seit 6000 Kilometern ist Danielas Fahrrad nun ohne Platten unterwegs. Simons Vorderrad hatte einen. Das Profil der Schwalbe Marathon Dureme Reifen sieht auch noch ganz passabel aus. 
Die Kratzer am Rahmen-Oberrohr haben wir mit etwas Schmirgelpapier und Lack ausgebessert. Die Schutzbleche sind hinten etwas zu kurz. Bis Peru ist uns das gar nicht aufgefallen. Aber in Ecuador und Kolumbien regnet es doch manchmal und die Straße verwandelt sich schnell zur Schlammpiste. Vielleicht können wir noch irgendwo einen Schmutzabweiser auftreiben und anbauen.
Ansonsten sind die Räder sehr pflegeleicht. Nur ab und zu die Kette über den Exzenter Nachspannen und dabei gleich etwas ölen. Das ist aber kinderleicht und in einer Minute geschehen. 
Wenn wir sehen, welche Probleme andere Reiseradler mit ihren Rädern haben sind wir froh, so qualitativ hochwertige Räder zu fahren. 
Weitere 6 Monate wollen wir noch durch Kolumbien, Patagonien, Feuerland, Paraguay, Brasilien und Uruguay fahren. 
Wir werden berichten...

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Interview September 2013

Unsere Südamerikaradler sind seit drei Monaten unterwegs und werden diese Woche die Grenze nach Peru passieren. Wir nutzen die Gelegenheit für ein Interview.

B.O.C.: Hallo nach Bolivien. Wo seid ihr und wie geht es euch?
Daniela: Wir kommen gerade von einem Tagesausflug von der Isla del Sol im Titikakkasee in Bolivien zurück und übernachten heute in Copacabana 160 km von La Paz entfernt. Die Sonne scheint, uns geht es gut.

B.O.C.: Wie war eure Reiseroute in Bolvien?
Simon: Nachdem wir die Atacamawüste in Chile durchquert hatten wollten wir eigentlich über die berühmte Lagunenroute nach Bolivien einreisen. Leider war diese wegen starkem Schneefall für Tage gesperrt. Wir musste also kurzfristig umdisponieren und sind über die El Tatio Geysire und Ollagüe nach Bolivien eingereist. Von dort dann über den größten Salzsee der Welt bis nach La Paz.

B.O.C.: Die größte Salzsee der Welt, der höchste schiffbare See der Welt, die gefährlichste Straße der Welt, das höchste Skigebiet der Welt - Bolivien hat scheinbar einiges zu bieten.
Daniela: Allerdings! Deswegen sind wir auch fast drei Wochen nicht mehr Fahrrad gefahren. Trekking, Bergsteigen, Sightseeing und Djungelcamp stand auf dem Programm. Natürlich haben wir auch mal Tagesausflüge mit dem Fahrrad gemacht. Zum Beispiel sind wir mit dem Fahrrad vom ehemals höchsten Skigebiet der Welt von 5300 Metern in zwei Stunden Downhill Schotterpiste nach La Paz auf 3600 Metern gefahren. Das sind 1700 Meter Downhill in zwei Stunden.

B.O.C.: Und nebenbei habt ihr noch einen 6000er bestiegen...
Simon: Ja, vom ganzen Fahrradfahren benötigten wir ein wenig Abwechslung und sind dann gut aklimatisiert über einige 5000er Pässe ins Huayna Potosi Basislager gewandert. Von dort sind wir auf den 5300 Meter hohen Chankini gestiegen und zwei Tage später standen wir auf dem 6088 Meter hohen Gipfel des Huayna Potosi. Aber ganz so nebenbei gehst das nicht. Das ist schon sehr sehr anstrengend.

B.O.C.: Und wie ist das Fahrradfahren in der Höhe?
Daniela: Wir bewegen uns hier eigentlich durchgehend in Höhen über 3500 Metern. Da muss man schon ab und zu zweimal atmen. Besonders dann, wenn es über 4000 Meter geht.

B.O.C.: Welches waren eure schönsten Erlebnisse in Bolivien?
Simon: Neben den Highlights Salar de Uyuni, Huayna Potosi und den Pampas, sind die schönsten Erlebnisse eigentlich immer abseits der Touristenrouten, wenn wir durch die einfachen Dörfer fahren und dort mit der Landbevölkerung ins Gespräch kommen. Vorgestern erst wurden uns Bananen geschenkt und das von Leuten, die wirklich nichts zu verschenken haben.

B.O.C.: Bolivien ist dieses Jahr wieder zum unfreundlichsten Reiseland der Welt gewählt worden. Wie seht ihr das?
Daniela: Das können wir überhaupt nicht nachvollziehen. Wir Reisen nach dem Sprichwort: Wie du in den Wald hineinrufst, so...


B.O.C.: In La Paz habt ihr lange Zeit verbracht. Wie seid ihr dort untergekommen?
Simon: La Paz war für uns Ausgangspunkt vieler Exkursionen. Untergekommen sind wir in der Casa de Ciclista, eine Unterkunft nur für Radler. Hier treffen sich Fahrradfahrer aus aller Welt. Wer durch Bolivien mit dem Fahrrad fährt, fährt 1. über den Salzsee und 2. übernachtet in der Casa de Ciclista in La Paz. Der Besitzer Christian lässt in seiner drei Zimmer Wohnung in Herzen der Hauptstadt Fahrradfahrer zum Unkostenbeitrag übernachten. Hier wird dann abends gemeinsam gekocht und gegessen, über Fahrräder und Komponenten gefachsimpelt, Reiseberichte und Landkarten ausgetauscht, an den Fahrrädern geschraubt und den Geschichten und Erlebnissen der anderen Fahrradfahrer gelauscht. Von allen Himmerlsrichtungen kommen sie hier her. Einige sind erst einige Tage unterwegs, einige schon mehrere Jahre. Verbinden tut sie alle eines: das Fahrradfahren. Mit bis zu zehn weiteren Fahrradfahrern schlafen wir auf unseren Isomatten dicht gedrängt auf dem Boden.

B.O.C.: Die Zeitung Die Welt berichtete kürzlich von den zehn gefährlichsten Straßen der Welt. Auf Platz Nummer 1: Camino de la Muerte oder einfach die Todesstraße, nähe La Paz.
Simon: Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Solche Straßen sind natürlich ein Anziehungspunkt für Mountainbiker aus aller Welt. Nur soviel: Angeblich verunglücken auf dieser sogenannten ”Death Road" jedes Jahr drei Fahrradfahrer. Tödlich!

B.O.C.: Und diese Straße seid ihr gefahren?
Simon: Ja, das geht von 4700 Meter hohen schneebedeckten La Cumbre Pass auf wirklich spektakulärer Straße bis auf 1200 Metern runter in den Djungel. Einfach unglaublich, das sind 3500 Meter Downhill in 4 Stunden.

B.O.C.: Nachdem ihr das nun überlebt habt, wie geht es weiter?
Daniela: Das nächste Etappenziel ist Cusco in Peru und natürlich Machu Pichu. Dann immer weiter nach Norden nach Ecuador und Kolumbien.

Dann noch gute Fahrt und haltet uns auf dem Laufenden.

Daniela: Danke! Das machen wir. 

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Interview Juli 2013 


Bereits einen Monat und fast 2000 km sind unsere beiden Radler schon quer durch Südamerika unterwegs. Zeit für ein Interview findet B.O.C.


Daniela, Simon, Ihr seit seit einem Monat unterwegs und habt dabei fast 2000 km mit dem Fahrrad zurückgelegt. Wie geht es Euch?
Uns geht es gut. Wir verbringen gerade einige Tage "Aktiv-Urlaub" auf der Osterinsel. Das muss auch mal sein. 

Aktiv-Urlaub?
Ja, aus Mangel an Palmenstränden machen wir kleine Wanderungen oder erkunden die Insel mit dem Fahrrad. Wir müssen uns ja fit halten für die nächsten Etappen. 

Die Fahrräder lasst ihr wohl nie aus den Augen was?
Nein, die Fahrräder sind immer dabei. Sogar nachts im Zimmer, wenn wir nicht gerade zelten. 

Apropos Zelten: ihr seid im Winter über die Anden geradelt. Wie kalt war es denn nachts im Zelt?
Wer in Südamerika vom Atlantik zum Pazifik will, muss die Anden überqueren. Dort oben auf 3000 Metern fährst du dann Fahrrad mit Mütze, Handschuhen und dicker Daunenjacke. Im Zelt halten uns unsere Winterschlafsäcke schön warm. Morgens ist es bitter kalt, aber wenn die ersten Sonnenstrahlen den Schnee der Andengipfel zum glitzern bringt, ist die Kälte schnell vergessen.

Voluminöse Winterschlafsäcke, Daunenjacken, Zelt, Kocher. Die ganze Ausrüstung kann sich doch nicht in den paar Radtaschen verstecken?
Wir Staunen ja selber immer über die Fotos von anderen Langzeitradlern, die vollgepackt und z. T. noch mit Fahrradanhänger durch die Welt fahren. Und ohne die gesamte Winterausrüstung würden wir noch eine Tasche weniger benötigen. Wir sind froh über jedes Gramm, welches wir nicht die Pässe hinaufschleppen müssen. 

Das setzt sicherlich einiges an Planung voraus. 
Ja, alles muss ultraleicht sein und wurde vor der Reise gewogen. Dann schauten wir ob es nicht den Ausrüstungsgegenstand noch kleiner und leichter gab. Das hat natürlich seine Grenzen. Etwas Komfort möchten wir auch auf der Reise. Zum Beispiel ist unser Zelt so gross, dass wir die Fahrradtaschen gerade eben mit hineinbekommen. Und ja, wir haben mehr als eine Unterhose dabei, falls die Frage noch kommen sollte.

Die Fahrräder sind aber nicht gerade ultraleicht. 
Bei den Fahrrädern haben wir keine Kompromisse gemacht. Nur allerbestes und ultrarobustes Material welches sich über Jahre bewährt hat wurde verbaut. Herzstück ist ein Herkelmann Stahlrahmen, der doch noch etwas mehr an Sicherheitsreserven aufweist als ein herkömmlicher Alurahmen. Es geht ja nicht nur tausende Kilometer über zum Teil übelste Pisten mit Schwingungen und Vibrationen, die Fahrräder werden auch bei Transporten in Bussen, Bahnen, LKW's und im Flugzeug nicht gerade pflegelich behandelt und müssen ganz schön was mitmachen. 

Wie sehen denn die Fahrräder nach 2000 km aus?
Wenn wir den Staub der Straße ordentlich entfernen würden, dann würden sie aussehen wie neu. Natürlich haben sie schon einige Lackkratzer abbekommen, aber das gehört dazu. Außer einem kleinem Loch in einem Reifen hatten wir keine Pannen. Wir haben ab und zu die Kette geschmiert und nachgespannt - das war's. 

Auf die Fahrräder ist also Verlass?
Absolut! Das muss auch so sein. Das ist ja hier keine Spazierfahrt an der Elbe. Die Räder werden höchst beansprucht. Wir müssen uns hier täglich um einiges kümmern. Wo schlafen, wo gibt es Wasser, wieviel Essen einkaufen, wo Geld tauschen, wie weit ist es ins nächste Dorf, wie ist der Straßenzustand, wie die Windverhältnisse usw. Da kannst du dich nicht auch noch um dein Fahrrad kümmern. Das muss einfach funktionieren.

Und ihr seid von den Anden herab mit über 70 km/h gefahren?
Ja, das kannst du aber nur machen, wenn du dich auf dein Rad einhundertprozentig verlassen kannst. Mit vollem Gepäck auf schlechter, kurvenreicher Straße in der Geschwindigkeit noch LKW's überholen, das machst du besser nicht mit einem Fahrrad aus dem Baumarkt, da brauchst du schon was ordentliches unterm Hintern. 

Ihr seid jetzt auf den Osterinseln. Wie geht die Tour weiter?
Wir fliegen morgen zurück nach Santiago und dann weiter in den Norden von Chile, nach Antofagasta. Zwischen Santiago und Antofagasta gibt es nur kilometerlange Einöde, deshalb nehmen wir ausnahmsweise den Flieger, denn auch unsere zur Verfügung stehende Zeit ist begrenzt. Von Antofagasta geht es dann durch eine der trockensten Wüsten der Erde, der Atacama-Wüste, zur bolivianischen Grenze. Von dort dann durch Bolivien, Peru, Ecuador bis hoch nach Kolumbien. Und wenn die Fahrräder uns dann noch tragen wollen möchten wir auch noch Patagonien, Feuerland, Paraguay, Brasilien und Uruguay unter die Reifen nehmen bevor es dann nach einem Jahr nach Hause geht. 

Wir danken für das Interview und wünschen euch noch viel Spass und Erfolg auf dem Abenteuer.

Danke und schöne Grüsse in die Heimat.

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