Montag, 23. Dezember 2013

21.12. Silvania - Bogotá 60 km
Standortkoordinaten: N04.59959, W074.06953 Höhe 2630 m

Ich habe heute Morgen so richtig keine Lust. Es geht auch schon gut los. Direkt ab dem Hotel heißt es bergauf. Wie weit, wissen wir nicht. Vielleicht ist es der letzte große Frühsport hier für uns in Südamerika mit 25 km Anstieg durchgehend im ersten Gang und über 1000 Höhenmetern. Aber: der Kenner schweigt und geniesst! Da helfen auch die nach oben ausgestreckten Daumen der auf der Gegenfahrbahn im Stau stehenden Autofahrer nicht. Viele von ihnen fahren die Fahrräder auf dem Dach spazieren. Wo wollen die hin? Wochenendausflug in die Sonne nach unten. 

Nach den ersten 7 km die erste Kaffeepause. Ich will nicht mehr. Es geht sehr schleppend voran und wir haben noch 53 km vor uns. Das schaffen wir nie wenn es so weiter geht. Danach werden die Pausenabstände immer kürzer. Hier und da genehmigen wir uns Malzbier, frisch gepresste Säfte, Wassermelone und Kuchen, sonst halten wir es heute nicht aus. Je höher wir kommen, desto kühler wird es auch. 

Die Saunaluft ist mittlerweile nicht mehr vorhanden. Nach 20 km nur bergauf frage ich mal vorsichtig bei einem Kolumbianer nach, wie weit es denn noch bergauf geht? Er meinte, es wären nur ein paar Kilometer und dann ein ganzes Stück bergab. Ob ich ihm das glauben soll? Aber tatsächlich: Bei km 25 erreichen wir endlich den Pass mit einer Höhe von 2800 m. Nun müssen wir die Jacken anziehen, denn die Abfahrt wird bestimmt kalt. Eine schöne 10 km Abfahrt, gefolgt von einer kurzen Anstiegsstelle und dann ist Aufatmen angesagt. Wir rollen quasi Plano in den Vorort Soacha ein. Bis ins historische Zentrum von Bogotá sind es dann nochmal 20 km. Das ist die angenehmste Einfahrt in eine Großstadt, die wir je in Südamerika hatten. Vor allem das tollste: in Bogotá gibt es 350 km Radwege. Es ist die fahrradfreundlichste Stadt Südamerikas, da kann sich Deutschland eine Scheibe von abschneiden. 

Unterwegs versuchen wir in Fahrradgeschäften Kartons für unseren bevorstehenden Fug zu bekommen. Fehlanzeige. Aber dank eines Tipps, gibt es eine Kartonfabrik, bei der wir die Kartons anfertigen lassen können. Das wird bestimmt teuer. Wie der Zufall es will, kommen wir auch genau an dieser vorbei. Fragen kostet ja bekanntlich nichts. Kurz ausgemessen und dann der Preis: 6 Euro pro Stück. Da überlege ich doch nicht lange. Und das Beste ist, sie werden für 8 Euro angeliefert. Das Problem ist schon mal gelöst. Im historischen Stadtteil La Candelaria angekommen, schauen wir uns einige kleine Hostels an, teuer und nicht gerade einladend. Eine Besitzerin, die leider kein Platz mehr frei hat, ruft gleich einen Kollegen an und dieser holt uns ab. Sein Hostal hätte noch ein Zimmer. Anschauen kostet ja nichts. 

Die erste Nacht ist etwas teuer, aber für eine zweite und dritte Nacht könnten wir einen günstigeren Preis erhalten. Eine Küche ist auch vorhanden, also perfekt. Nur irgendwie waren Simon und ich blind. Das Zimmer ist zur Fußgängerzone heraus, angrenzend an einen kleinen Platz. Wir befinden uns im Erdgeschoss. Keine halbe Stunde später fangen auch schon die Straßenmusiker, die sogenannten Hängengebliebenen wie wir sie nennen, an zu spielen. Mist und dass nach einem harten Tag. Am Nachmittag stellen wir auch noch fest, dass auf dem kleinen Platz eine Bühne aufgebaut ist und Livemusik am Abend gespielt wird. Heute ist Samstag Abend und wir werden im Hostal Casa Bellavista bestimmt keine Auge zumachen und das bei unseren 1523 Höhenmetern, die mühsam erarbeitet wurden. Irgendwann schlafen wir doch ein. Immer wieder werden wir in der Nacht von leeren Bierflaschen oder Gegröle geweckt. 



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